Bereits 2014 wurde darum auf Initiative von Bischof Benno Elbs der Arbeitskreis für Homosexuellen-Pastoral (DAHOP) ins Leben gerufen, um diese Menschen und ihre Angehörigen in den Blick zu nehmen, sie zu begleiten und zu unterstützen. In den letzten Jahren wurde die Gruppe neu aufgestellt und begleitet nun als „Regenbogenpastoral“ queer-fühlende Menschen und ihre Familien. Diese Gruppe, in die ich als Pfarrer berufen wurde, ist im Ehe- und Familienzentrum der Diözese angesiedelt (www.efz.at).
Persönliche Begegnungen
Auch für mich persönlich war es ein Lernweg, den ich in den letzten Jahren gegangen bin. Lange hat mich das Thema nicht beschäftigt, ich verdrängte es – bis ich immer mehr Menschen traf, die „anders“ lebten.
Ich war noch in der Ausbildung zum Priester und arbeitete im Sommer beim Mobilen Hilfsdienst (MOHI), als ich einen älteren Herrn, Robert, der aufgrund einer Alzheimer-Erkrankung bettlägerig war, besuchte. Im Lauf des Nachmittags kam Günter dazu. Mir wurde langsam klar, dass Robert und Günter ein Paar sind und das seit vielen Jahren. Meine Nachmittage bei diesen beiden Männern haben mein Bild von gleichgeschlechtlich liebenden Menschen neu geprägt. Ich durfte mitansehen, in welch tiefer Liebe die beiden miteinander verbunden waren.
Im Rahmen meiner Tätigkeit im Vorstand des Ehe- und Familienzentrums habe ich 2022 den Christopher Street Day (CSD) in Bregenz besucht. Diese, mitunter etwas schrille, Parade will die große Zahl und die Anliegen betroffener Menschen in der Öffentlichkeit sichtbar machen. Ich war sehr überrascht, eine Ministrantin aus „meiner“ Pfarre Götzis dort zu treffen. Sie war auch überrascht, „ihren“ Pfarrer hier zu treffen. Wenig später haben wir uns zu zweit in der Pfarre getroffen und ich durfte ein wenig in die Erfahrungswelt eines jungen Menschen eintauchen, der sich als „nicht-binär“, also sich weder männlich noch weiblich empfindet. Sie fand es cool, dass beim CSD auch die Kirche präsent ist. Und sie hat mich daran erinnert, dass ein Hauptwort unseres Glaubens doch „Liebe“ sei.
Die Sexualität sucht man sich nicht aus
Es ist ein mitunter langer Weg, bis jemand zu seiner eigenen Homosexualität oder einer anderen Form von queerem Fühlen ja sagen kann. Die eigene Sexualität sucht man sich nicht aus. Es dauert manchmal, bis man sich selbst verstehen gelernt hat. Es gibt Phasen, in denen man ablehnen möchte, was man eigentlich ist – bis man schließlich doch Ja sagen kann zum Sosein und damit auch dazu, anders zu sein als viele andere.
Das Gute ist segenswürdig
Die Sehnsucht, das Bedürfnis, der Wunsch nach Gottes Segen sind urmenschlich. In der Zeit, in der sich Menschen der eigenen sexuellen Identität bewusst werden, einem Gott und einer Kirche zu begegnen, die Ja zu mir– so wie ich bin – sagen, ist wohltuend und hilfreich.
Wenn wir Gott um Segen für Paare bitten, geht es immer darum, das Gute, wie Treue, Fürsorge, Verantwortung und Verpflichtung in einer existierenden Lebensgemeinschaft zu stärken. Dieses Gute verdient Gutheißung und ist, wo Glauben ins Spiel kommt, segenswürdig. Auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind Ausdruck und Form tiefer personaler Liebe und darin Abbild göttlicher Liebe.
Für den 17. Mai 2024 möchten wir alle Liebenden, besonders aber alle queer-Liebenden, zu einer Segensfeier in die Herz-Jesu-Kirche nach Bregenz einladen. Diesen Ort haben wir bewusst ausgewählt: Vom Herzen Jesu wissen wir, dass alle Menschen darin Platz finden. Es gibt nichts, was seinem Herzen fremd ist. Gibt es von daher einen besseren Ort als eine Herz Jesu Kirche, um zu einer Segensfeier für alle Liebenden einzuladen? In der Feier wird um Gottes Segen gebetet für eine gelingende Zukunft von Menschen, die miteinander in Liebe ihr Leben gestalten.
Pfr. Rainer Büchel