
Als ich anfing genauer nach Veränderungen im Leben des Mädchens und der Familie zu fragen, meinten sie: „Alles andere ist nicht wichtig. Wir möchten nur, dass unsere Tochter wieder in die Schule geht.“
Ich kam nicht umhin an das Lied des österreichischen Sängers Josh zu denken „Ich glaub', ich g'hör' repariert.“ Denn auch diese Eltern kamen mit einem Reparaturauftrag zu mir. Kein Blick unter die Oberfläche, in die Tiefe der Psyche dieses Mädchens oder der Familie. Es sollte an dem gearbeitet werden, was offensichtlich ist. Und wenn sie wieder funktioniert, dann ist alles gut.
Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Ein vermeintliches Nicht-Funktionieren muss in Ordnung gebracht werden, ohne viel Zeit- und Kostenaufwand.
Sich verändernde Verhaltensweisen sind jedoch Ausdruck für eine innere Bewegung. So ist es oft wichtig, genauer hinzusehen. Nicht an der Oberfläche zu bleiben. Die Funktionstüchtigkeit kann zwar auch sonst wiederhergestellt werden, jedoch ist die Haltbarkeit fragwürdig.
Es erinnert daran, wenn wir das Auto oder Fahrrad in die Werkstatt bringen. Wir möchten, dass repariert wird, was nicht funktioniert. Ein Anruf, dass mehr gemacht werden muss, weil genauer hingeschaut wurde, ist unerwünscht
Manchmal sind wir in der Therapie Hilfegeber:innen bei konkreten Fragen oder Konflikten. Manchmal eine Stütze in akuten Krisen. Manchmal geht es auf eine längere Reise. Wir wissen nicht, was uns erwartet. So sind Neugierde und Offenheit aller zentrale Werkzeuge in unserer Arbeit.
Veronika Burtscher-Kiene